Neue EU-Datenschutz-Grundverordnung

Informierten über die neue EU-Datenschutz-Grundverordnung (v.l.): Sebastian von der Au, Thomas Floß (beide EDV-Unternehmensberatung Floß GmbH), Leana Kammertöns (Europe Direct Kreis Gütersloh), Albrecht Pförtner (pro Wirtschaft GT), Torsten Neubauer und Oliver Lambrecht (beide Sparkasse Gütersloh-Rietberg).

Datenschutzexperten informierten Unternehmen, Verwaltungen und Vereine über den neuen EU-Datenschutz. Weiterer Termin am 16. Februar.

Bereits zum zweiten Mal hatten die pro Wirtschaft GT und das Europa-Informationszentrum Kreis Gütersloh zu einer Informationsveranstaltung zu der neuen EU-Datenschutz-Grundverordnung eingeladen. Über 100 Vertreterinnen und Vertreter von Unternehmen, Verwaltungen und Vereinen im Kreis Gütersloh nutzten in der Sparkasse Gütersloh-Rietberg die Gelegenheit, sich über die neue EU-Datenschutz-Grundverordnung, die am 25. Mai 2018 in Kraft tritt, zu informieren und ihre Fragen zu stellen.

„Der folgende Vortrag wird Ihnen keinen Spaß machen, wenn Sie sich noch nicht vorbereitet haben, aber wir müssen uns alle gemeinsam der Herausforderung stellen“, so Albrecht Pförtner, Geschäftsführer der pro Wirtschaft GT, in seiner Begrüßung. Die neue Verordnung bringt für alle wichtige rechtliche Veränderungen mit sich und die Zeit läuft ab. In seinem Vortrag stellte Thomas Floß, Datenschutzexperte und geprüfter Datenschutzbeauftragter, die wichtigsten Änderungen vor und skizzierte die erforderlichen Maßnahmen in den jeweiligen Bereichen: Rechte der Betroffenen, Einwilligung, Technik, Auftragsverarbeitung. Floß: „Eines der wesentlichen Ziele bei der Neuregelung durch die Datenschutz-Grundverordnung ist der Ausbau der Betroffenenrechte.“ Besonderen Schutz genießen hierbei die personenbezogenen Daten von Kindern und Jugendlichen, da sie sich der Risiken, Folgen, Vorsichtsmaßnahmen und ihrer Rechte bei der Verarbeitung personenbezogener Daten weniger bewusst sein dürften. Deshalb müssen Kinder/Jugendliche unter 16 Jahren die Erlaubnis der Eltern einholen, wenn sie in die Verwendung ihrer Daten durch Dienste der Informationsgesellschaft (z.B. Facebook oder WhatsApp) einwilligen möchten. Den Mitgliedsstaaten steht es aber frei, die Altersgrenze weiter herunterzusetzen – unter 13 Jahre dürfen sie aber nicht gehen. Die neuen Vorschriften gelten auch für Vereine jeglicher Art, die oft personenbezogene Daten von Jugendlichen verarbeiten. Die neue EU-Datenschutz-Grundverordnung ist eine große Herausforderung für alle, die personenbezogene Daten verarbeiten. Für viele Unternehmen bedeuten die neuen Richtlinien immense Investitionen: Anschaffung von Technik nach dem aktuellen Stand und viel Zeit für Dokumentationen und Datenprüfungen. Viele Unternehmen müssen auf neue Software zur Datenspeicherung und -sicherung umsteigen, da viele Cloud-Anbieter nicht der neuen Datenschutz-Grundverordnung entsprechen. Andere Firmen können der geforderten Datenlöschung nicht nachkommen, da die angewandte Software es nicht zulässt. Die Maßnahmen kosten oft viel Geld, sind aber unverzichtbar, denn Unternehmen, die gegen neue Vorschriften verstoßen, erwarten hohe Sanktionen. Je nach Bereich drohen den Unternehmen Strafen bis zu 20 Millionen Euro bzw. 4 % des Jahresumsatzes. „Die Alternative nichts zu machen, kann nur sparen sein!“ betonte Floß.

Hintergrund: In ca 100 Tagen, ab dem 25. Mai, gilt das neue, strengere und EU-weite Datenschutzrecht. Die neue Datenschutz-Grundverordnung ermöglicht den freien Datenverkehr im gesamten digitalen Binnenmarkt. Sie wird für einen besseren Schutz der Privatsphäre aller EU-Bürger sorgen und gleichzeitig vor allem für kleinere Unternehmen neue Möglichkeiten eröffnen. Laut einer Mitteilung der EU-Kommission haben jedoch bislang nur zwei Mitgliedstaaten (Deutschland und Österreich) die notwendigen nationalen Gesetze verabschiedet. Die anderen Mitgliedstaaten und viele Unternehmen sind noch nicht ausreichend vorbereitet. Deshalb hat die EU-Kommission jetzt einen Leitfaden herausgegeben, der einen Überblick über die wichtigsten Neuerungen und die noch ausstehenden Aufgaben gibt. Ergänzend dazu stellt die Kommission ein neues Online-Tool für kleine und mittlere Unternehmen ins Netz. Weiterführende Informationen finden Sie in der aktuellen Pressemitteilung der EU-Kommission https://ec.europa.eu/germany/news/20180124-noch-100-tage-endspurt-datenschutzregeln_de

Das Europe Direct Kreis Gütersloh hat ebenfalls ein Factsheet zu diesem Thema herausgegeben. Dieses kann auf der Webseite des Zentrums unter www.europedirect-gt.de heruntergeladen werden. Aufgrund der hohen Resonanz wird eine weitere Informationsveranstaltung mit Herrn Floß am 16. Februar in Gütersloh angeboten. „Das große Interesse und die Vielzahl der Fragen haben uns gezeigt, dass der neue EU-Datenschutz die Unternehmen sowie Vereine und Verwaltungen  bewegt.
Aus diesem Grund bieten wir am 16. Februar eine weitere Möglichkeit an, sich rechtzeitig über bevorstehende Änderungen zu informieren“, sagt Leana Kammertöns, Leiterin des Europazentrums. Aufgrund der hohen Nachfrage ist eine zügige und rechtzeitige Anmeldung unbedingt erforderlich. Anmeldungen können ab sofort über das Online-Formular auf www.europedirect-gt.de vorgenommen werden.