Kulturreise des Heimatvereins Herzebrock

Historische Exkursion des Heimatvereins Herzebrock.

Einmal jährlich organisiert der Herzebrocker Heimatverein eine mehrtägige historische Exkursion für seine Mitglieder und interessierte Gäste. Knapp 50 Personen reisten Mitte August für drei Tage nach Mitteldeutschland, um Wittenberg, Wörlitz und Leipzig kennen zu lernen.

Am Tag der Anreise stand die Lutherstadt Wittenberg auf dem Programm. Knapp 100 Kilometer südwestlich von Berlin und etwa 70 Kilometer nordnordöstlich von Leipzig an der Elbe gelegen, gewann Wittenberg, das seit 1292 Stadtrecht bekam, herausragende Bedeutung als ein wichtiges deutsches Zentrum politischer, kulturgeschichtlicher und künstlerischer Bestrebungen im 16. Jahrhundert. Die Wirkungsstätten der kirchlichen Reformatoren Martin Luther und Philipp Melanchthon und des berühmten Malers Lucas Cranachs d. Ä. wurden unter sachkundiger Führung besucht und es war eine Freude zu erleben, mit wie viel Begeisterung, Wissen und Herzlichkeit die örtlichen Fremdenführeinnen und -führer der Gruppe die Stadt, die Sehenswürdigkeiten und die herausragenden Persönlichkeiten, allen voran Martin Luther, nahebrachten. In ganz Wittenberg war rege Bautätigkeit zu sehen, denn seit einer Dekade bereitet sich die Stadt auf das kommende Jahr vor, in dem 500 Jahre Reformation gefeiert werden. Am 31. Oktober 1517 hatte Luther seine 95 Thesen der Öffentlichkeit bekannt gemacht.

Die Schlosskirche Allerheiligen, die Stadtkirche St. Marien, das Lutherhaus und das Melanchthonhaus gehören zum UNESCO-Welterbe ebenso wie das benachbarte Dessau-Wörlitzer Gartenreich, das am zweiten Exkursionstag Ziel der Reise war.

Der 112,5 Hektar große Park wurde unter der Regentschaft von Fürst Leopold III. Friedrich Franz von Anhalt-Dessau (1740–1817) geschaffen. Von 1769 bis 1773 angelegt und bis 1813 erweitert, gilt er als einer der ersten und zählt zu den größten deutschen Landschaftsparks nach englischem Vorbild. Als aufgeklärter Herrscher sah „Vater Franz“, wie der Fürst von seinen Untertanen genannt wurde, in der Anlage einen Bildungsauftrag, der sich über Architektur, Gartenkunst und auch Ackerbau erstreckte. Der Park war schon zur damaligen Zeit mit allen Gebäuden und dem Schloss für jeden zu besichtigen, ausgenommen die Rückzugsorte des Fürsten und seiner Frau Luise. Architekt der Bauten im Park war Friedrich Wilhelm von Erdmannsdorff (1736–1800). Das Schloss Wörlitz ist der erste klassizistische Schlossbau Deutschlands.

Den Garten entwarfen die Hofgärtner Johann Friedrich Eyserbeck, Johann Christian Neumark und Johann Leopold Ludwig Schoch d. Ä., mit dessen Tochter der Fürst lebte, nachdem er sich von seiner Frau abgewandt hatte. Gartengestalter Schoch schuf den jüngsten, großzügigsten Teil des Parks, der auch landwirtschaftlich genutzte Flächen einbezog. Die Bauten sind von Gebäuden in aller Welt angeregt, die der Fürst auf seinen Reisen kennengelernt hatte.

Der dritte Tag führte die Reisegruppe des Heimatvereins von Sachsen-Anhalt nach Leipzig, der größten Stadt im Freistaat Sachsen. Mit ihren eingemeindeten Gebieten hat Leipzig aktuell über 570.000 Einwohner und ist für Mitteldeutschland ein historisches Zentrum der Wirtschaft, des Handels und Verkehrs, der Verwaltung, Kultur und Bildung sowie für die „Kreativszene“.

Mit Stadtrecht und Marktprivilegien seit 1165 entwickelte sich Leipzig zu einem wichtigen Handelszentrum mit langer Tradition als einem der ältesten und bedeutendsten Messestandorte in Mitteleuropa. Die Stadt ist ein historisches Zentrum des Buchdrucks und -handels, hat eine der ältesten Universitäten und verfügt über eine große musikalische Tradition, mit Persönlichkeiten wie Johann Sebastian Bach und Felix Mendelssohn Bartholdy und weltberühmten Einrichtungen wie dem Gewandhausorchester und dem Thomanerchor.

Mit sächsischem Zungenschlag und Humor führte die Stadtführerin die Gruppe zu historisch bedeutsamen Orten in der Leipziger Innenstadt, beginnend an der Thomaskirche, dem Wirkungsort Bachs, dann durch die Handelsviertel der Messestadt, zu Auerbachs Keller, der aus Goethes Faust bekannt ist, bis zur Nikolaikirche, dem Ort der Montagsdemonstrationen 1989, die einen entscheidenden Impuls für die Wende in der Deutschen Demokratischen Republik (DDR) gaben.

Mit vielfältigen Eindrücken ging es für die Reisenden am Abend des dritten Exkursionstages zurück nach Herzebrock.

Text und Bild: woe