Hallenbad Herzebrock und von-Zumbusch-Gesamtschule beziehen Wärme aus Biogas

Marco Schröder, stellvertretender Betriebsleiter der Gemeindewerke, Bürgermeister Marco Diethelm, Ursula Langer-Theis vom Gebäudemanagement der Gemeinde und Wärmelieferant Christian Brand an der Wärmeübergabestation im Hallenbad Herzebrock.

Hallenbad Herzebrock und von-Zumbusch-Gesamtschule beziehen Wärme aus Biogas. Gemeinde spart Erdgas und nutzt Abwärme aus bestehender Anlage.

Die Gemeinde Herzebrock-Clarholz ist auf einem guten Weg bei der Energiegewinnung für die Wärmeversorgung öffentlicher Gebäude. Ein großer Teil des Wärmebedarfs des Herzebrocker Hallenbads und der benachbarten von-Zumbusch-Gesamtschule wird durch Abwärme gedeckt.

Die Wärme liefert der Herzebrocker Landwirt Christian Brand aus Quellen regionaler landwirtschaftlicher Produktion und dem eigenen Betrieb. „Über 80 Prozent der Energie entstammt Substraten aus Mist von Rindern, Puten, Hähnchen, Pferden, Schweinen sowie von Gras, Zwischenfrüchten und Rindergülle“ so der Landwirt. „Dazu kommen noch Mais und Zuckerrüben“ ergänzt Brand.

„In Zeiten begrenzter Rohstoffe sehen wir uns verpflichtet, innovative Formen der Energiegewinnung anzuwenden“ sagt Bürgermeister Marco Diethelm. „Wir betreiben aktiven Klimaschutz, indem wir keine fossilen Brennstoffe, sondern regenerative Alternativen nutzen. So erzeugen wir beim Betrieb des Hallenbads und der Gesamtschule insgesamt weniger CO2 “. Der Erweiterungsbau der Gesamtschule entspricht so der Energieeinsparverordnung EnEV, die klimaneutrales Bauen zum Ziel hat. „Besonders gefällt mir“ so der Bürgermeister weiter „dass wir bei dieser Variante die bisher nicht genutzte Abwärme der bereits bestehenden Anlage verwenden.“

„Bei der Biogasnutzung ergibt sich zudem noch ein toller Nebeneffekt. Bei der Vergärung entsteht aus den Substraten wertvoller Gärrest, der als Dünger in flüssiger oder fester Form für Äcker, Wiesen, Gärten, und Baumschulen verwendet wird“ erläutert Brand.

Die Leitung, durch die die Wärme vom Hof bis zum Hallenbad und zur Schule angeliefert wird, ist insgesamt etwa 1850 Meter lang. Der Innendurchmesser der Stahlrohre beträgt 100 Millimeter. Das äußere PE-Schutzrohr hat einen Durchmesser von 355 mm Durchmesser.

Bereits im Dezember 2011 startete die Brand UG mit einer Biogasanlage, die 250 Kilowatt Energie erzeugen konnte. Nach einer Erweiterung im Jahr 2014 waren es schon 525 kW.

Die Übergabestationen für das Hallenbad, die Sporthalle und die Gesamtschule können 500 kW sowie 350 kW thermische Energie allein für die Schule liefern. Die Deckung des Wärmebedarfs soll in absehbarer Zeit auf 100 Prozent steigen, wünscht sich der stellvertretende Betriebsleiter der Gemeindewerke Marco Schröder.

Hintergrundinfos kompakt:

  • technische Daten der Leitung: ca.1850 m Länge, 100mm Innendurchmesser der Stahlrohre, 355 mm Durchmesser des äußeren PE-Schutzrohrs.
  • je eine Übergabestation im Hallenbad (500 kW, für Hallenbad, Sporthalle und Gesamtschule) und eine in der von Zumbusch-Schule (350 kW)
  • Vorlauftemperatur: 85°C, Leistung der Umwälzpumpe: 22 kW
  • Medium: aufbereitetes Wasser (entkalkt, entsalzt, pH-Wert und Leitwert optimal eingestellt
  • 3/4 des Wärmebedarfs von Hallenbad und Schule soll damit abgedeckt werden, zukünftig noch mehr (Ziel: 100%)
  • seit 2012 besteht bereits ein ca.1450 m langes Wärmenetz mit acht Übergabestationen zur Versorgung von Häusern in der Umgebung. Dieses spart jährlich etwa 30.000 Liter Heizöl ein.
  • elektrische Leistung der Biogasanlage: 525 kW (305 und 220 kW Blockheizkraftwerk)
  • Inbetriebnahme Dez. 2011 mit 250 kW
  • Hersteller: Biogas Hochreiter
  • 2014 Erweiterung auf 525 kW
  • Substrate: Rindermist, Putenmist, Hähnchenmist, Pferdemist, Schweinemist, Gras, Zwischenfrüchte, Rindergülle (zus.>80%), Mais, Zuckerrüben, alles aus der Region und natürlich vom eigenen landw. Betrieb
  • Substrate von / Gärreste an über 60 Landwirte
  • bei der Vergärung entsteht aus den Substraten wertvoller Gärrest, der als Dünger in flüssiger oder fester Form für Äcker, Wiesen, Gärten, Baumschulen usw. verwendet wird
  • durch den Wegfall der monatelangen Lagerung von Stallmist und Gülle wird viel Methan zu Strom und Wärme umgewandelt, statt das Klima zu schädigen
  • Mist und Gülle haben nach der Vergärung einen höheren Dünge- und Humuswert als vorher
  • die Düngung mit Gärrest fördert das Bodenleben und kostet keine Energie, im Gegenteil: zur Erzeugung von 100 kg Stickstoff für Kunstdünger werden z.B.ca. 200 Liter Erdöl verbraucht.
  • 2100 Kubikmeter Fermenter, 2700 m3 Nachgärer, 5000 m3 Endlager
  • gesamte Anlage mit Erdwall und Betonmauern gegen Havarie gesichert
  • 2018 Erweiterung auf 1.055 kW geplant (drittes Blockheizkraftwerk) allerdings kann die Mehrleistung nur für Regelenergie genutzt werden. Seit dem 1.8.2014 sind alle Betriebe gewerblicher Art auf die da installierte Leistung „gedeckelt“.