Leserbrief: Mehr Demokratie wagen, B64n

Leserbrief des Vereins Kulturlandschaft Sundern-Samtholz-Brock vom 04.10.2018:

Seit Jahrzehnten steht die B64n zur Diskussion. Nichts ist passiert seit den ersten Überlegungen, die Ortskerne der Doppelgemeinde vom Durchgangsverkehr durch eine Ortsumgehung zu entlasten. Nichts? Oh doch.
Die Planungen sind weit gediehen. Das Planfeststellungsverfahren steht an. Die vom Rat der Gemeinde als Ortsumfahrung beschlossene B64n hat sich zu einer kreuzungsfreien dreispurigen Fernstraße entwickelt, die die Industriezentren Münster und Bielefeld verbinden soll. Wie es die IHK (Industrie- und Handelskammer) für erforderlich hält.
Die Fernstraße entlastet die Ortskerne. So hoffen all die, die endlich wieder bei offenem Fenster schlafen wollen, die um das Wohl der Kinder, Radfahrer und Fußgänger beim Überqueren der B64 bangen. Keine LKWs mehr, die die Luft verpesten. Mehr Ruhe innerorts.
Aber wie wird es in 40 Jahren aussehen? Steigt der Verkehr tatsächlich weiter an, wie viele behaupten? Die neuen Verkehrzählungen gilt es abzuwarten. Bislang sprach manches dagegen.
Mit dem Blick in die Zukunft: Ist ein weiterer Ausbau von Straßen noch zeitgemäß, angesichts der Verpflichtungen Deutschlands, den CO² Ausstoß zu verringern?
Inwieweit profitiert Herzebrock-Clarholz wirklich von der geplanten Fernstraße? Wie verbessert sich real und spürbar die Lebensqualität in den Gemeinden – nicht bei einzelnen? Wie verändert eine Fernstraße mit Brückenbauten und Dammführung das Naherholungsgebiet um die beiden Ortschaften?
Diese und viele andere Fragen hätten Vertreter des Kulturvereins Sundern-Samtholz-Brock gern mit dem Bürgermeister und den gewählten Vertretern der Gemeinde am runden Tisch diskutiert.
In einem Brief an den Bürgermeister von Anfang August wurde darum gebeten, „im Zusammenhang mit der Planung der B64n“ „gegensätzliche Standpunkte … offen, demokratisch und fair auszutragen“. Eine einfache Bitte um ein klärendes Gespräch, um den Austausch von Argumenten zum besseren Verständnis der beiderseitigen Standpunkte.
Die Antwort des Bürgermeisters kam jetzt: „Ich kann Ihnen lediglich mitteilen, dass die Fraktionsvorsitzenden darüber einig geworden sind, dass kein Ziel in der Diskussion erkennbar ist und somit kein gemeinsamer Termin mit dem Verein Kulturlandschaft Sundern-Samtholz notwendig erscheint.“
Ist es kein Ziel, sich über unterschiedliche Standpunkte zu verständigen, sich auszutauschen zum besseren Verständnis der anderen Position? Heißt Demokratie nicht gerade, in der Diskussion unterschiedliche Standpunkte auszuhandeln? Miteinander reden bedeutet, den anderen wahrzunehmen, ihn zu respektieren, seine Anliegen ernst zu nehmen. Dieses Versprechen hat im Dezember letzten Jahres auch der neue Verkehrsminister Wüst den kritischen Bürgerinitiativen gegeben. Das Gespräch steht immer noch aus.
Entspricht die Reaktion der politischen Volksvertreter der Forderung unseres Bundespräsidenten nach einer Dialogkultur?
Wir vom Kulturverein sind jedenfalls bereit – ganz demokratisch.