Tipps von der Brandschutzdienststelle

Tipps von der Brandschutzdienststelle. In der Advents- und Weihnachtszeit steigt das Brandrisiko.

Reinhard Stutz zuckt mit den Schultern: „Eigentlich weiß das jeder, passieren tut es trotzdem immer wieder.“ Das ist wie mit den Verletzungen durch Silvesterfeuerwerk. Jedes Jahr, immer wieder zur Adventszeit sind Kerzen Auslöser für Wohnungsbrände und häufiger als zu anderen Jahreszeiten muss die Feuerwehr ausrücken, um Schlimmeres zu verhindern. Stutz ist seit vier Jahren Brandschutzingenieur beim Kreis Gütersloh. Er hat Tipps überarbeitet, die schon seine Vorgänger mal als Merkblatt für die Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter der Kreisverwaltung zusammengefasst haben. Stutz ist fest davon überzeigt, dass bei der Beachtung weniger Hinweise viele Brände vermieden werden könnten. Statistisch brennt in Deutschland alle drei Minuten eine Wohnung. 280 Menschen verlieren dabei in jedem Jahr ihr Leben. Die Zahlen stammen aus der ZDF-Sendung ‚Quarks‘, in der sich Ranga Yogeshwar erst Ende November mit den Ursachen von Feuern beschäftigte.

„Kerzen sollte man nie unbeaufsichtigt brennen lassen.“ Für Stutz ist dieser simple und einfache Hinweis der wichtigste überhaupt. Immer, wenn man den Raum verlässt, kurz inne halten. Ist da noch jemand? Es komme immer wieder vor, dass sich die Rückkehr in den Raum durch irgendetwas verzögert. Sei es ein Anruf, ein Klingeln an der Tür oder man holt doch ‚schnell‘ was aus dem Keller. Im Zweifelsfall die Kerzen ausmachen, wenn man den Raum verlässt. Auch der Einsatz von feuerfesten Kerzenhalter leuchte eigentlich jedem ein, trotzdem werden reihenweise brennbare zum Beispiel aus Holz benutzt. Der Einsatz selbstlöschender Kerzen ist aus Stutz‘ Sicht sinnvoll – sie gehen aus, wenn sie eine bestimmte Höhe erreicht haben.

Die Brandschutzdienststelle des Kreises Gütersloh kümmert sich im normalen Leben nicht um brennende Weihnachtsbäume. Allerdings könnte Stutz auch Weihnachtsbäume und mehr löschen. „Ich habe eine vollständige feuertechnische Ausbildung durchlaufen bis hin zu Führungslehrgängen.“ Zu 90 Prozent seiner Arbeitszeit begleitet er Bauverfahren. Als Fachbehörde unterstützt er die Bauaufsicht in brandschutztechnischen Fragen, seine Tipps und Hinweise finden Eingang in die Baugenehmigung. „Da geht es weniger um private Bauherrn, sondern um gewerblich genutzte Gebäude, Schulen oder Betreuungseinrichtungen.“ Dabei geht es auch um Fragen, inwieweit Gebäude tauglich sind, um den Einsatz der Feuerwehr zu ermöglichen. Auch ist die Brandschutzdienststelle bei Begehungen dabei. „Manchmal haben sich in bestehenden Gebäuden Nutzungen eingeschlichen, die da nicht hingehören. Dann sind plötzlich Rettungswege verbaut und die Selbstrettung von Menschen sowie der Einsatz der Feuerwehr deutlich erschwert oder im schlimmsten Fall unmöglich.“ Brandschutzdienststellen gibt es übrigens beim Kreis sowie bei den Städten Gütersloh und Rheda-Wiedenbrück. In kreisfreien Städten wie der Stadt Bielefeld ist diese Aufgabe Sache der Berufsfeuerwehr.

Kommt es trotz aller Vorsichtsmaßnahmen zu einem Feuer, dass man nicht löschen kann, gibt es drei Punkte, die unbedingt abgearbeitet werden müssen, so Stutz: „In Sicherheit bringen, Feuerwehr anrufen, Nachbarn warnen.“ Wer übrigens die Brandschutzrichtlinien in Deutschland für übertrieben oder gar zu bürokratisch hält, den belehren Stutz und Kollegen gerne mit einem Hinweis allgemeiner Art: „Jede Brandschutzrichtlinie in Deutschland ist die Folge eines Unglücks, eines großen oder kleinen Feuers, bei dem Menschen ihr Leben verloren haben oder verletzt worden sind.“ Keine einzige Vorschrift ist am Schreibtisch entstanden, alle haben ihren Ursprung im Unglück.