Leserbriefe zur Ortsumgehung der B64 – Thema Lärm und Axtbachaue

Kein Thema beschäftigt unsere Leserbrief-Schreiber so wie die Ortsumgehung der B64. Heute haben wir gleich zwei Leserbriefe zu diesem Thema für Euch:

Leserbrief von Johannes-Otto Wördemann: B64n-Fridays for Future. Von einer Verkehrswende ist die Gemeinde weit entfernt.

Die Planung der B64n geht Jahrzehnte zurück. Steht sie unter Denkmalschutz, so wie die „Dampflok“, die jeden Tag durch Clarholz kriecht? Eine Planung so wie vor 40 Jahren würde sich heute keiner mehr trauen: durch das Naherholungsgebiet und das Naturerbe. In der Folge müssen die Axtbachaue und das Überschwemmungsgebiet direkt am Kloster Clarholz jetzt durch einen Planfeststellungsbeschluss besiegelt werden, bevor die A33 uns den ganzen Verkehr und die Industrie und damit Steuereinnahmen wegnehmen. Ein Indiz für neid- und industriegesteuerte Politiker! Mehr Straßen bedeuten mehr Verkehr, mehr Industrie und noch mehr Wohnungsbau.

Klimawandel als Fake News, Naturschutz und Flächenverbrauch – alles egal. Das Artensterben liegt nicht an uns. Immerhin werden Milliarden für Grünbrücken und Ausgleichsmaßnahmen bewilligt. Und wen der Laubfrosch (Rote Liste) das nicht annimmt, dann hat er halt Pech gehabt. Bei uns in Herzebrock-Clarholz ist die Welt doch noch in Ordnung: Die Flora und Fauna ist hier noch zahlreich vertreten und wieder im Aufschwung unter anderem durch Greeningmaßnahmen der Landwirte. Beim Nitrat erreichen wir nicht einmal ein Hundertstel vom aktuellen Grenzwert.

Die Kosten für den Straßenneubau sind offensichtlich egal, sie werden niedrig angesetzt, damit es weniger Gegenwehr gibt. Mein Vorschlag dazu: Wenn die Kosten von öffentlichen Bauten beispielsweise um zehn Prozent steigen, dann müssen die Planer und Architekten auf zehn Prozent ihres Geldes verzichten. Auch Folgekosten des Straßenneubaus werden verschwiegen. Denn ein ganzes Straßennetz entsteht. Für Schlepper, Querverkehr und Anbindungen in Richtung Autobahn. Mehr Schadstoffe werden in die Umwelt entlassen. Von Verkehrswende ist bei uns keine Spur, stattdessen wird die Autoindustrie unterstützt. Eine Aussage der SPD-Bundestagsabgeordneten Elvan Korkmaz: „Die Regionalbahn ist privat, die kann nicht ausgebaut werden.“ Würde aber die Bahn jede halbe Stunde in Hochlage (kreuzungsfrei) fahren, würden sofort vier mal so viele Fahrgäste befördert wie derzeit.

Ja liebe Mitbürger: Lasst euch weiter von den großen und kleinen Politikern Sand in die Augen streuen nach dem Motto „Die alte Bundesstraße wird zur Fußgängerzone und Lärm wird es nicht geben.“

Ich jedenfalls freue mich stattdessen auf eine tolle gemeinsame Zusammenarbeit mit der Jugend (Fridays for Future) und dem Verein Kulturlandschaft-Sundern-Samtholz-Brock. Wir schaffen die Wende, weil immer mehr Bürger und auch Politiker den Wahnsinn erkennen. Mein Aufruf an die Bundesumweltministerin Svenja Schulze: Seien Sie ehrlich und bekennen Sie sich zu ihrer Aussage, den Flächenverbrauch zu senken!

Leserbriefe müssen nicht der Meinung der Redaktion entsprechen, die sich das Recht auf Veröffentlichung und Kürzung vorbehält.

Leserbrief von Alfred Wesche: Über 19 Brücken musst du fahr’n. Die B64n und kein Ende. Eine Aktion des Vereins Kulturlandschaft Sundern-Samtholz-Brock.

Am 18. Mai gab es nachmittags einen Polizeieinsatz im Pöppelkamp. Anlieger der Weekesiedlung hatten sich über den ruhestörenden Lärm beschwert.

Was war das für ein Lärm? Geräusche von Autos, LKW’S und Motorrädern beschallten die beschauliche Siedlung zwischen der Brocker Straße und dem Feldmannsweg. 90 Dezibel tönten aus Lautsprechern hinter dem Hof Südhoff, Feldmannsweg Das ist der Lärmpegel, den eine gut angenommene Fernstraße verursacht, auf der der Verkehr mit erlaubten 100km/h durchrauscht.

Mit einem Frontlader, auf dem Lautsprecher montiert waren, hat der Verein Kulturlandschaft Sundern-Samtholz-Brock (KSSB) versucht, den Lärm zu simulieren, der durch eine Fernstraße entsteht. Über Clarholz (Kloster, Blinder Busch, Uphoff) ging es nach Herzebrock in den Pöppelkamp zum Hof Südhoff, wo die Fernstraße auf die Brocker Straße trifft.

Die geplante B64n ist eine Fernstraße, die Verkehr von fern, z.B. Münster, um den Ort herum zu einem fern liegenden Ziel, z.B. Bielefeld, führt. Wer in den Ort hereinfahren möchte, muss entweder in Clarholz abfahren oder in Herzebrock. Ob es an der Möhler Straße eine Abfahrt geben wird, ist noch ungewiss.

Hintergrund der Aktion des Vereins KSSB ist nach wie vor, die Bürgerinnen und Bürger darüber zu informieren, was da geplant wird, wenn von der Umgehungsstraße B64n gesprochen wird. Informationen, die z.T. von den Planern der Straße zurückgehalten werden.

Wer weiß schon, dass auf dem Streckenabschnitt von Clarholz nach Herzebrock auf 9,2 Kilometern 19 Brücken entstehen werden. Wem ist schon bewusst, welche Auswirkungen die Dammlage der Straße für die Axtbachaue und den Auenwald hat. Wer kann sich vorstellen, wie viel Verkehr angezogen – nicht von Herzebrock-Clarholz abgeleitet – wird? Der hohe Flächenverbrauch von ca 189 ha für dieses Teilstück und die immensen Kosten für die Straße rechnen sich nur, wenn entsprechend viel Verkehr fließt. Zynisch? Nein. Bald Realität.

Wer mehr wissen will, kann sich am 05. Juni 2019 zwischen 8.00 Uhr und 12.00 Uhr auf dem Marktplatz in Herzebrock informieren. Dort gibt es einen Stand, der Einblick gewährt in die Planung der Trassenführung, der Brückenbauwerke und der Auf- und Abfahrten.

Wer so lange nicht warten möchte, kann bei einem Spaziergang an der Brocker Straße auf Höhe der Einmündung des Privatwegs des Hofes Südhoff die dort aufgehängten Plakate studieren.

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