Leserbrief: „Ökologische Sünde und ökonomischer Unsinn“

Leserbrief und Bild von Heinrich Brummelte, Herzebrock-Clarholz.

Ökologische Sünde und ökonomischer Unsinn

Lieber Umgehungsstraßenneubaufreund,

wenn Du Deine Augen schließt, dann schützt Du Dich auf der einen Seite vor dem Sand, den sie Dir in dieselben streuen möchten!
Auf der anderen Seite (wenn Du sie schließt) bekommst Du sehr wenig von dem mit, was um Dich herum geschieht, und plötzlich ist es dann zu spät, um zu begreifen, was da eigentlich genau geschieht.
Eine derartig ökologische Sünde an unserer Umwelt, und einen derartig ökonomischen Unsinn, den bietet man Dir ganz bestimmt nicht alle Tage.
Schaue Dir bitte noch einmal ganz genau das Ausmaß der Dimensionen auf ‚Straßen.NRW‘ an, und finde für Dich heraus, ob Du diesen Gigantismus mitverantworten kannst, und ob Du das am Ende wirklich willst.
Lass Dich, lieber Umgehungsstraßenneubaufreund, nicht verführen von dieser nicht ewig dauernden prosperierenden Wirtschaftssituation.
Und alles was sie Dir sagen, alles ist am Ende ganz anders und so sehr viel teurer, dass man schier verzweifeln muss, wie mit dem Geld des kleinen Mannes in diesem Land umgegangen wird.
Aber es ist ja eben nur das Geld des kleinen Mannes, und es ist ja auch nur das Geld der kleinen Frau!
Manchmal fragt man sich mehr als sorgenvoll, wie dieses Land eigentlich tickt.
Immer höher, immer schneller, immer weiter?

Wie war das noch mit der Kostenexplosion der Philharmonie in Hamburg?
Wer hat die Kosten brav getragen, und wer nutzt dieses exklusive Gebäude?
Wie war das noch mit der Gorch Fock und den zehnfachen Millionen, die die kleine Frau und der kleine Mann am Ende so oder so bezahlen dürfen?
Mast- und Schotbruch!
Manchmal denke ich auch an die wunderbare Kläranlage in Herzebrock.
Auch die Stadthallensanierung in Gütersloh sollte nicht unerwähnt bleiben.
An dieser Stelle könnte jetzt eine lange Liste der Kostenexplosionen stehen, die einem einfach den Atem raubt. Aus Platzgründen muss ich hierauf verzichten, denn es würde eine verdammt lange Liste, und diese Liste würde uns sehr viel verraten vom Umgang und vom Respekt, den der mündige Bürger in diesem Lande erfahren darf.

Wie wird es sein mit der Umgehungsstraße B64 neu, wenn die ersten Bagger ihre Motoren kraftvoll anwerfen, um diese wundervolle Naturlandschaft um Herzebrock-Clarholz herum in Asphalt und Teer zu verwandeln. Um ein Gefühl für die Dimension zu bekommen, es sind ungefähr 850 Fußballfelder, die den Bagger glücklich machen sollen!!
Wie werden sich dann die Kosten entwickeln, die man zunächst extra für den kleinen Mann und natürlich auch für die kleine Frau so darstellt, dass es sehr wenig Widerstand geben wird.
Wie wird es sein mit dem Lärm, den die E-Autos uns dann süffisant zuflüstern?
Und welches Gelächter werden die Lärmschutzwände anstimmen, die uns vor dem imaginären Lärm schützen werden?
Viele Fragen, die dringend nach einer plausiblen Antwort suchen, verbunden sind sie mit einer eindringlichen Bitte an den, der uns diese wunderbare Natur einst geschenkt und anvertraut hat:
‚Vater, vergib ihnen, denn sie wissen nicht, was sie (da) tun‘ (Lukas 23.34)

Ich grüße Euch alle sehr nachdenklich und dennoch sehr herzlich.

Heinrich Brummelte

 

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