B64n Bürgerveranstaltung in Herzebrock-Clarholz

Der Verein Kulturlandschaft Sundern-Samtholz-Brock hinterfragte den Straßenneubau sowohl im Vorfeld als auch während der Veranstaltung kritisch

B64n Bürgerveranstaltung am 10 Meter Planungstisch.

In Herzebrock-Clarholz stellte Straßen.NRW den aktuellen Stand zur Planung des Baus der neuen Ortsumfahrung B 64n vor. Im Mittelpunkt der Fragen und Anregungen stand unter anderem die Linienführung zwischen dem Kloster Clarholz und dem Hof Pavenstädt sowie die Lage der Querungen für die Landwirtschaft und Freizeitnutzungen.

Über 250 Bürgerinnen und Bürger sind am Abend des 12. September in der Mensa der Gesamtschule zum Zumbusch zusammengekommen, um Informationen zur geplanten Ortsumfahrung Herzebrock-Clarholz aus erster Hand zu erhalten.

Andreas Meyer, Leiter der Straßen.NRW Regionalniederlassung Ostwestfalen-Lippe, stellte zu Beginn das Gesamtprojekt „4zu1“ von Münster bis Rheda-Wiedenbrück vor, das den Neubau der B64 Ortsumgehung Herzebrock-Clarholz, Warendorf und Beelen sowie den Ausbau der B51, Münster-Telgte beinhaltet. Dabei betont er, dass das Ziel der heutigen Veranstaltung insbesondere die Aufnahme von Fragen und Anliegen sei, die anschließend von Straßen NRW geprüft werden. „Wir brauchen Ihre Anregungen und Hinweise um die bestehenden Handlungsspielräume nutzen zu können“, führt Andreas Meyer aus.

Schon in der Eröffnung sicherte Straßen.NRW zu, dass für den Knotenpunkt vor Clarholz eine ortsfernere Variante südlich vom Hof Pavenstädt geprüft wird. Bürgermeister Marco Diethelm und die Rätinnen und Räte hatten sich hierfür eingesetzt. Weitere Handlungsspielräume würden bei den Überführungen, Ersatzwegen und ökologischen Ausgleichsflächen bestehen.

Manuela Rose, Leiterin der Abteilung Planung der Regionalniederlassung Ostwestfalen-Lippe, stellte im weiteren Verlauf der Veranstaltung die Planung im Detail vor. Aufgrund der Verkehrsbelastung und um ein sicheres Überhohlen zu ermöglichen, wird die Ortsumgehung 3-streifig geplant. Die Straße mit den seitlichen Banketten wird demnach 15,5 Meter breit. Zum Vergleich: Die jetzige B64 ist 14 Meter breit. Mithilfe eines Luftbilds wurde die Maßnahme von West nach Ost detailliert vorgestellt.

Im Anschluss wurden Fragen direkt an Herrn Meyer und Frau Rose gestellt. Das Thema Lärmschutz stand bei vielen kritischen Fragen im Mittelpunkt. Vor allem vor Clarholz und im Bereich Pöppelkamp wünschen sich viele Anwohner aktiven Lärmschutz. Hierfür gibt es bereits Rückstellungen auf Seiten der Gemeinde.

Viele Fragen drehten sich auch um die Notwendigkeit der Maßnahme einer neuen Bundesstraße angesichts des Klimawandels. Derzeit ist ein aktuelles Verkehrsgutachten in Arbeit, das prüft, ob die Maßnahme auch nach heutigem Stand sinnvoll ist. Hierbei würde eine steigende Nutzung des ÖPNV eingerechnet. Angesprochen wurde aber auch, dass ein Ausbau der einspurigen Bahn oder eine Verlagerung des Güterverkehrs auf die Schiene auf dieser Strecke stark eingeschränkt sei.

Ein weiteres Anliegen der Bürger war, mehr Querungen im Bereich des Naherholungsgebiets an der Brocker Strasse zu berücksichtigen. Daraufhin soll jetzt geprüft werden, ob Jogger, Spaziergänger oder Radfahrer eine Über- oder Unterführung bekommen können.

Viele Landwirtinnen und Landwirte fragten außerdem nach dem Ersatzwegenetz und mögliche Ausgleichsflächen. Die B64n wird für den landwirtschaftlichen Verkehr nicht mehr zulässig sein und die benötigten Flächen stellen ein großes Problem für die Betroffenen dar. In einem zusätzlichen Workshop sollen deshalb Lösungen erarbeitet werden. Positiv wurde bewertet, dass durch den Flugplatz in Gütersloh Flächen dort entsiegelt werden könnten, so dass vergleichsweise wenige Ausgleichsflächen von der Landwirtschaft benötigt werden.

Nach den Informationen ging es im zweiten Teil an Thementischen um die Details. Wichtige Anregungen zur technischen Planung, zu ÖPNV, Rad- und Fußwegen, Natur-/ Landschafts-/ und Denkmalschutz sowie Schallemissionen und Wasser wurden aufgenommen und werden jetzt dokumentiert und geprüft.

Die Gegner der B64n waren bei der Veranstaltung nicht zu übersehen und zu überhören, die Befürworter hielten sich jedoch sehr zuruck. Lediglich ein paar Unschlüssige, mit zwei Herzen in der Brust, meldet sich zu Wort. Auf unserer Facebook-Seite und Instagram-Seite wird seit Donnerstag stark zu dem Thema diskutiert.

Weitere Informationen findet Ihr unter https://www.strassen.nrw.de/. Auf der Projekthomepage werden auch zeitnah die Präsentation, die Pläne und das Protokoll der Bürgerveranstaltungen in Herzebrock-Clarholz eingestellt.

Auch auf der Seite https://b64n.info/ findet Ihr einige Informationen zu der geplanten Maßnahme, die Seite wird von der G4-Gemeinschaft der Bürgerinitiativen betrieben.