Zeichen der Zeit – Eiche im Mersch

An einem der wenigen Wintertage des letzten Jahrzehnts, an denen das Ostmünsterland unter einer Schneedecke lag, hat Michael Wöstheinrich die „Eiche im Mersch“ in der Nähe der Alleen und der Gräftenbrücke beim Kloster Clarholz im Gegenlicht der Mittagssonne fotografiert. Eine Version seines Fotos erschien auf dem Titelblatt der Januar-Ausgabe 2012 der vom Gewerbeverein Herzebrock-Clarholz herausgegebenen Zeitschrift „markt und gemeinde“.

Am späten Mittag des 18. Oktober 2019 hat ein nur wenige Minuten dauernder, martialischer Sturm, der über Clarholz, Lette und benachbarte Orte hinwegfegte, den prachtvollen Baum gravierend beschädigt. Ungezählten Stürmen zuvor hat er Jahr für Jahr getrotzt. Dennoch, noch hat er standgehalten.

Ist das ein „Zeichen der Zeit“, Menetekel für eine Gesellschaft, die dabei ist, mit ihrer räuberischen Lebensweise Gottes Schöpfung, unser aller gemeinsames Haus, zu zerstören? Und die auch nicht mehr singt: „Wo der Axtbach durch die Wiesen weite Bögen zieht durch’s Land, wo die Ems, wie einst die die Riesen, endlich ihren Meister fand, wo am Knapp die Eichen rauschen, Kiefern stehn im Heerder Sand, da bist du mein liebes Clarholz, Clarholz im Westfalenland.“

Die Eiche ziert das Wappen von Clarholz. Im Jahre 1676 hat der Vorgänger von Leonhard Goffiné als Pfarrer in Clarholz, der Steinfelder Prämonstratenser Anno Weber, in einem Heft über das lokale Brauchtum im Laufe des Kirchenjahres berichtet; demnach war die vierte Station der feierlichen Sakramentsprozession am Laurentiustag unter der „Eiche im Mersch“ aufgebaut; von hier führte der Prozessionsweg zur Kirche zurück. Ob wir diesen Weg zurück noch finden?

Foto: Michael Wöstheinrich
Text: Johannes Meier