Pfarrer Achim Heckel geht in den Ruhestand

Achim Heckel auf der Kanzel der Gnadenkirche in Clarholz: Gerne hätte er sich hier in einem Gottesdienst im Freien von der Gemeinde verabschiedet. Leider wohnen aber Eichenprozessionsspinner in den Bäumen vor der Kirche und könnten die Gesundheit der Gottesdienstbesucher*innen gefährden. Foto: KKGT/Frauke Brauns

„Dienst für die anderen und nicht Herrschen“: Pfarrer Achim Heckel geht vorzeitig in den Ruhestand und macht Pläne für den neuen Lebensabschnitt

Achim Heckel lässt auch in diesem Gespräch keinen Zweifel an einer simplen Tatsache: „Ich bin gerne Pfarrer.“ Egal, von welcher seiner Stationen im Berufs- oder Privatleben er erzählt, er hat sie alle mit ganzem Herzen und ganzem Sein durchlebt und immer mit einem offenen, den Menschen zugewandten Blick. Er guckt manchmal mit großer Freude, manchmal kritisch auf Vergangenes zurück – und das immer mit einem versöhnten Gedanken. Der Blick in die nahe Zukunft – Verabschiedung aus Herzebrock-Clarholz und der Versöhnungs-Kirchengemeinde Rheda-Wiedenbrück sowie Umzug nach Wuppertal-Ronsdorf – ist zuversichtlich und neugierig. Dort bezieht er mit seiner Frau Ulrike ein Reihenmittelhaus und wird mehr Zeit für seine vier erwachsenen Kinder und die fünf Enkelkinder haben. „Die Enkel haben sich im neuen Haus schon ausgesucht, wo sie schlafen werden, Johannes plant eine Eisenbahn auf dem Dachboden“, sagt Heckel mit funkelnden Augen. Er lacht, der Plan scheint ihm zu gefallen.

Auch beim Rückblick blitzen seine Augen sehr oft. Er sieht sich nicht als Pfarrherrn, sondern sagt mit Bernhard von Clairvaux: „Ich bin Leiter, Prophet, Lehrer, Priester und Hirte.“

Als Achim Heckel im Februar 2015 nach Herzebrock-Clarholz kommt, ist die Fusion der Kirchengemeinden Rheda, wozu Herzebrock-Clarholz gehörte, und Wiedenbrück mit Langenberg zur Versöhnungs-Kirchengemeinde vollzogen und eine Gemeindeberatung soll helfen, dieses neue Gebilde mit Leben zu füllen und mit einer Satzung zu untermauern. „Leitung hieß da, Menschen Mut zu machen, nach vorne zu gucken. Leitung sein, hieß mitgehen“, erinnert er sich. Und er betont, dass für ihn Leiten „Dienst für die anderen und nicht Herrschen heißt.“

Prophet sein beschreibt er so: „Gottesdienst geht vor. Da darf anderes schon mal liegenbleiben.“ Wichtig ist ihm, Menschen die Botschaft von Gott weiterzusagen, der am Kreuz mit leidet, der im ganzen Leben mit geht, der baut und pflanzt, aber auch mal raus- und einreißt. Seine Aufgabe definiert er dabei als Begleitung.

Neben der Begleitung liegt Achim Heckel die Gewinnung und Befähigung von Ehrenamtlichen am Herzen. Unterricht von jungen Leuten und Erwachsenenbildung dienen dazu. Als Lehrer hat er aber nicht nur vorne gestanden und Wissen vermittelt. Befähigung geschieht für ihn auch im Miteinander und im Teilen von Leben und Erfahrungen. Gemeindeaufbau geschieht, so ist er überzeugt, wenn man vorher nicht weiß, wo man ankommt. Heckels Ziel ist, „Gemeindeglieder stark machen, damit sie selber machen können. Raum schaffen, damit der Heilige Geist handeln kann.“

Erfahrungen, die für ihn selbst Raum geschaffen und sein „Priester sein“ geprägt haben, sind Fortbildungen in Bibliodrama, Bibliolog, Spiritueller Körpererfahrung, Meditation. Eine Krankheit verändert seinen Blick auf seinen Beruf und sich selbst von „Ich bin für alles verantwortlich“ in „Ich bin reich beschenkt.“ Die Schönheit der Schöpfung zu sehen und zu erkennen: „der Mensch ist gut – wenn auch nicht ohne Schuld“, bestärkt Achim Heckel im Zugehen auf andere, im Predigen von Gottes Gnade und im Denken über den Tellerrand hinaus. Evangelisation und soziale Verantwortung gehören für ihn zusammen. So bringt er, wo immer er als Pfarrer tätig ist, kirchliche und andere Gruppen zusammen. Er erlebt, dass sie sich gegenseitig befruchten können.

Aber auch die Grenzen der Evangelisation sind Pfarrer Heckel nicht fremd. „Wir müssen auch mit denen umgehen, die wir nicht erreichen können“, stellt er fest. Evangelisation bedeutet dann, niederschwellig da sein und Angebote machen, sowie „die, die kommen, zu integrieren.“ Auch hier ist wieder der Achim Heckel zu erkennen, der mit den Menschen mitgeht. So erkennt er Hirte sein als Funktion, die alle anderen Bereiche einschließt.

Wenn er jetzt Herzebrock-Clarholz und die Versöhnungs-Kirchengemeinde Rheda-Wiedenbrück drei Jahre früher als geplant verlässt – krankheitbedingt geht er in den Vorruhestand – so gibt es in Zukunft wieder Menschen, die er begleiten wird. Seine Familienmitglieder zumindest gehen stark davon aus, dass er Zeit für sie haben wird – neben den Krimis, die er lesen will, den Streichholzschachteln, die er sortieren will, und den Fahrradtouren, die er mit dem neuen Pedelac plant.