Leserbrief: …gegen die B64n

Leserbrief von Helmut Volmer aus Herzebrock-Clarholz

… gegen die B64n

Der Autoverkehr gehört seit Jahren zu den großen Klimasündern in Deutschland. Dennoch liegen die Prioritäten bundesweit auf dem Straßenverkehr.

Der Verkehr in Orten mit Umgehungsstraßen nimmt im Vergleich zu Dörfern und Städten ohne solche Ortsumfahrungen entgegen den Prognosen nicht ab, sondern stärker zu. Das betrifft sowohl den Ort selbst als auch die Umgehungsstraße. Unter dem Strich wird also die Region mit deutlich mehr Verkehr als vorher belastet.

Mehr und bessere Straßen sorgen leider auch dafür, dass mehr Menschen öfter Auto fahren. Die Anzahl der gefahrenen Kilometer steigt mit dem Straßenausbau mit. Und es kommt der „Umlenkungseffekt“ dazu: Wenn du vorher die Landstraße gefahren bist, weil es keine bessere Option gab, fährst du jetzt einen kleinen Umweg – nur damit du auf der besseren ausgebauten Straße fahren kannst. Das alles steigert CO2.

Wenn ein Ort schneller erreichbar ist, dadurch dass die Straße, eine Ortsumfahrung in dem Fall, dazu führt, dass die Autofahrer sich nicht mehr durch den Ort quälen müssen, sondern schneller außen herum kommen, setzen sie eben diese gewonnene Zeit nicht in Freizeit um, sondern sie verwenden sie, um weiter entfernte Ziele anzustreben und anzufahren. Und das führt zu noch mehr Verkehr. Dagegen hilft gerade auch der Verzicht auf den Bau von Umgehungsstraßen.
In stressigen Zeiten leerer Kassen und des jahrzehntelangen Raubbaus an der Natur gibt es keine Alternative. Die Zeiten haben sich geändert und ändern sich weiter. Der Bau von immer neuen Straßen löst Verkehrsprobleme nicht wirklich, vergrößert nur ein Asphaltnetz, das ohnehin nicht mehr angemessen unterhalten werden kann und dient nicht mehr dem Gemeinwohl.

Politiker und Entscheidungsträger sollten sich aufrichtig vor Augen halten, welch ein brutaler Eingriff der Bau einer Straße für Natur und Mitwelt bedeutet.

Hier müssen neue Mobilitätskonzepte her, auch für die jetzige B64 in Herzebrock-Clarholz. Statt immer mehr Autobahnen und Umgehungsstraßen zu bauen, muss der Fokus auf einen massiven Ausbau von ÖPNV und Güterbahnverkehr, der Stärkung des Radverkehrs und vernetzter Mobilitätsangebote liegen.

Jasager sollten sich tiefgründige Gedanken machen, ob sie für ein bestimmtes Klientel, welches das von ihnen erwartet, sprechen und handeln oder für unser aller Zukunft. Von Vorteil wäre es auch, endlich einmal ehrlich zu sein und zu schauen, was wir uns, auch im Hinblick auf den Klimawandel, heute noch leisten können und was wirksam ist.
Die Zeit in der wir leben und wie wir leben ist für die weitere Existenz dieses Planeten entscheidend. Darum ist noch mehr massiver Protest gegen solche geplanten Maßnahmen unerlässlich.

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